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Soziale
Notlagen

Drei Fragen an John-Edward Schulz

John-Edward Schulz

John-Edward Schulz
Seit Jahresbeginn leitet John Edward Schulz den neuen Geschäftsbereich "Wohnen & Soziale Notlagen" der Diakonie München und Oberbayern. Im Interview erläutert er, wie sich die vielfältigen Angebote der Diakonie zu einem wirkungsvollen Hilfenetz verbinden. In diesem Netz finden Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenslagen Halt – in der Großstadt ebenso wie im ländlichen Raum.

Herr Schulz, mit dem neuen Geschäftsbereich "Wohnen & Soziale Notlagen" entsteht ein großer und vielfältiger Bereich innerhalb der Diakonie München und Oberbayern. Was verändert sich dadurch – und was bleibt gleich?

Wir bündeln unsere Kräfte, um Menschen in schwierigen sozialen Lebenslagen besser unterstützen zu können – etwa bei Wohnungslosigkeit, existenziellen Krisen, Überschuldung oder Straffälligkeit. Entscheidend ist unsere Haltung: Menschen in schwierigen Situationen mit Respekt zu begegnen, auf Augenhöhe und ohne Vorbedingungen.

Neu ist, dass unsere Unterstützung nun in einem Geschäftsbereich zusammengeführt wird – fachlich, organisatorisch und über mehrere Regionen hinweg. Von München bis in die umliegenden Landkreise Weilheim-Schongau, Landsberg am Lech, Starnberg, Fürstenfeldbruck und das Ostallgäu entsteht so ein Hilfenetz, in dem präventive Angebote, akute Nothilfen und langfristige Wohnhilfen ineinandergreifen. Ziel ist, dass Menschen nicht zwischen unterschiedlichen Anbietern oder Trägern wechseln müssen, sondern durch uns verlässlich und durchgängig begleitet werden.

Gleich bleibt unser Grundsatz: Wir lassen Menschen nicht allein – unabhängig davon, wo sie leben oder in welcher Lebenslage sie zu uns kommen.

Die Hilfen in Ihrem Bereich sind sehr vielfältig. Wie schafft Ihr Team es, Orientierung zu geben und die Nähe zum einzelnen Menschen zu behalten?

Vielfalt braucht Gestaltung. Unser Geschäftsbereich arbeitet mit abgestuften Angeboten – von niedrigschwelliger Beratung über Streetwork und aufsuchende Sozialarbeit in Notunterkünften bis hin zu intensiver stationärer Hilfe oder einer Begleitung im eigenen Wohnraum. Die Übergänge zwischen diesen Angeboten sind durchlässig, weil Lebenswege selten linear verlaufen. Unsere Stärke ist es, Menschen nicht weiterzureichen, sondern sie dort zu begleiten, wo sie gerade stehen – und so lange, wie sie Unterstützung brauchen.

Natürlich unterscheiden sich die Bedingungen zwischen Stadt und Land: In München begegnen wir mehr Anonymität und Verdichtung, in ländlichen Regionen eher fehlender Infrastruktur und größeren Distanzen. Aber überall gilt: Gute Hilfe gibt Halt. Oft beginnt das in kleinen Schritten – und manchmal bedeutet es schlicht, dass jemand morgens wieder aufsteht und einen Plan für den Tag hat.

Soziale Notlagen werden komplexer. Gleichzeitig sind Fachkräfte knapp und Ressourcen begrenzt. Wie können Sie stabil Hilfe anbieten?

Indem wir uns konsequent an den Menschen orientieren. Die Themen Wohnungslosigkeit, Armut oder Straffälligkeit greifen ineinander. Menschen stehen heute selten nur vor einem Problem – oft kommen Schulden, psychische Belastungen, Sucht oder Isolation gleichzeitig vor. Darauf reagieren wir nicht mit starren Zuständigkeiten, sondern mit verlässlichen Beziehungen und Teams, die fachlich breit aufgestellt und flexibel im Denken sind.

Soziale Unterstützung entsteht nicht auf dem Papier, sondern im Kontakt mit den Menschen. Sie folgt nicht der Logik von Verwaltungsstrukturen, sondern den Lebensrealitäten. Und weil soziale Notlagen sich nicht an Landkreislinien halten, tun es unsere Hilfen ebenfalls nicht. Wenn wir Unterstützung bündeln, entsteht nicht einfach eine größere Organisation, sondern ein System, das soziale Gerechtigkeit praktisch werden lässt – durch verlässliche Beziehungen, fachliche Qualität und den Anspruch, jedem Menschen den Zugang zu der Unterstützung zu ermöglichen, der ihm zusteht. Unabhängig davon, wo er lebt oder in welcher Lebenslage er sich befindet.


Geschäftsstelle Wohnen & Soziale Notlagen

Kapellenfeld 5
86971 Peiting-Herzogsägmühle

T (089) 12 69 91 340 oder
T (08861) 21 94 400

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